Der Therapiehund

Ein Therapiehund ist mehr als nur ein Hund. Er öffnet die Türe zu unserer Seele.

Ein Therapiehund ist ein speziell ausgebildeter Hund, der gemeinsam mit seinem Menschen in der tiergestützten Intervention eingesetzt wird, um das Wohlbefinden von Menschen zu fördern. Therapiehunde arbeiten zum Beispiel in Schulen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, therapeutischen Praxen oder sozialen Einrichtungen. Ihr Ziel ist es nicht, eine konkrete Behinderung im Alltag auszugleichen – wie es bei Assistenzhunden der Fall ist –, sondern Menschen emotional, sozial unterstützen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Kontakt zu Hunden positive Auswirkungen auf den Menschen haben kann. Besonders dann, wenn Menschen eine natürliche Affinität oder positive Einstellung zu Hunden und Tieren haben, kann der Kontakt mit einem Therapiehund Stress reduzieren, beruhigend wirken und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Beim Streicheln eines Hundes werden im Körper unter anderem Hormone wie Oxytocin ausgeschüttet, die Gefühle von Vertrauen, Bindung und Entspannung fördern können. Gleichzeitig können Stresshormone wie Cortisol sinken. Viele Menschen fühlen sich dadurch ruhiger, ausgeglichener und emotional gestärkt.

Ein Therapiehund begegnet Menschen ohne Vorurteile. Er bewertet nicht, er stellt keine Anforderungen und er reagiert ehrlich und unmittelbar auf die Situation. Gerade diese wertfreie Begegnung kann für viele Menschen sehr berührend sein. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Erkrankungen oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen erleben durch die Begegnung mit einem Hund oft Momente von Freude, Nähe und Geborgenheit.

Therapiehunde können auch als eine Art soziale Brücke wirken. Sie erleichtern Gespräche, fördern Kommunikation und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Kinder trauen sich oft eher zu sprechen, zu lesen oder zu lernen, wenn ein Hund dabei ist. In Pflegeeinrichtungen erinnern sich ältere Menschen durch den Kontakt mit einem Hund manchmal an frühere Erlebnisse mit Tieren und beginnen zu erzählen. In therapeutischen Situationen kann die Anwesenheit eines Hundes Menschen motivieren, sich zu öffnen oder aktiv an Übungen teilzunehmen.

Die besondere Wirkung eines Therapiehundes entsteht durch das Zusammenspiel aus Nähe, Berührung, Vertrauen und der natürlichen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Viele Menschen erleben die Begegnung mit einem Therapiehund als emotional sehr wertvoll. Ein ruhiger Hund, der sich neben einen Menschen legt oder sich streicheln lässt, kann Trost spenden, Sicherheit vermitteln und das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Damit diese Arbeit verantwortungsvoll stattfinden kann, ist eine gute Ausbildung von Hund und Mensch wichtig. Der Hund muss freundlich, belastbar und sozial sicher sein. Gleichzeitig muss immer darauf geachtet werden, dass auch das Wohlbefinden des Hundes im Mittelpunkt steht. Pausen, Rückzugsmöglichkeiten und eine artgerechte Haltung sind daher ein wichtiger Bestandteil jeder tiergestützten Arbeit.

Ein Therapiehund ist deshalb mehr als nur ein Begleithund – er ist ein Brückenbauer zwischen Menschen, Emotionen und positiven Erfahrungen.

Arten der Tiergestützte Intervention (TGI)

Sie werden in vier Bereiche eingeteilt:

Tiergestützte Intervention ist ein Oberbegriff für alle professionellen Einsätze von Tieren zur Unterstützung von Menschen. Tiere – häufig Hunde – werden dabei gezielt eingesetzt, um das körperliche, emotionale, soziale oder kognitive Wohlbefinden von Menschen zu fördern. 

Tiergestützte Interventionen finden beispielsweise in Schulen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, therapeutischen Einrichtungen oder auch im privaten Umfeld statt.

Die tiergestützte Arbeit wird meist in vier Bereiche unterteilt:

Tiergestützte Aktivität (TGA)

Tiergestützte Aktivitäten sind Besuchs- und Begegnungsangebote mit Tieren, die vor allem Freude, Abwechslung und soziale Kontakte ermöglichen sollen. Der Mensch benötigt keine spezielle Ausbildung um in der TGA mit seinem Tier zu arbeiten. 

Typische Beispiele sind Besuchshunde, die in: Altenheimen, Hospizen, soziale Einrichtungen eingesetzt werden.

Dabei stehen das positive Erlebnis und die emotionale Bereicherung im Vordergrund. Im Gegensatz zur Therapie gibt es hier meist keine festgelegten Therapieziele.

Tiergestützte Förderung (TGF)

Die tiergestützte Förderung findet häufig im pädagogischen oder sozialen Bereich statt, beispielsweise in  Pflegeeinrichtungen. Der Mensch hat hier die Ausbildung im Pflegerischen Bereich als Altenpfleger/in

Hier steht weniger eine medizinische Therapie im Vordergrund, sondern die Förderung von Fähigkeiten wie:

Konzentration, Selbstbewusstsein, soziale Kompetenzen, Verantwortungsgefühl, Empathie

Ein Beispiel wäre hier eine Einrichtung in einem Altenheim

Tiergestützte Therapie (TGT)

Die tiergestützte Therapie ist eine zielgerichtete therapeutische Maßnahme, die von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt wird, zum Beispiel von Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten oder Ärzten.

Der Hund wird gezielt in den therapeutischen Prozess eingebunden, um bestimmte Therapieziele zu unterstützen. Dies können zum Beispiel Verbesserungen der Motorik, der Konzentration, der Kommunikation oder der emotionalen Stabilität sein.

Die Therapie wird geplant, dokumentiert und regelmäßig ausgewertet. Der Hund dient dabei als Motivation, emotionaler Zugang oder als unterstützendes Element im therapeutischen Prozess.

Tiergestützte Pädagogik (TGP)

Die tiergestützte Pädagogik nutzt Tiere gezielt in Lern- und Bildungsprozessen. Sie wird häufig in Schulen oder pädagogischen Einrichtungen eingesetzt.

Der Hund kann dabei helfen: Lernmotivation zu steigern, soziale Regeln zu vermitteln, Empathie zu fördern, Verantwortung zu lernen

Ein Schulhund ist ein typisches Beispiel für tiergestützte Pädagogik. Durch die Anwesenheit des Hundes entsteht oft eine ruhigere und positivere Lernatmosphäre was zu besseren Schulleistungen beiträgt.

Fazit

Tiergestützte Intervention umfasst verschiedene Formen der Arbeit mit Tieren. Ob Therapie, Förderung, Aktivität oder Pädagogik – in allen Bereichen kann der Einsatz eines geeigneten und gut ausgebildeten Hundes Menschen auf besondere Weise unterstützen und ihr Wohlbefinden verbessern. Dabei steht immer sowohl das Wohl des Menschen als auch das Wohl des Tieres im Mittelpunkt. 🐕




Welche Typen von Tiergestützter Intervention gibt es?

Es gibt zwei Therapiehunde, den aktiven und den reaktiven Therapiehund.

Der aktive Therapiehund besitzt einen starken Aufforderungscharakter, motiviert und fordert zum Spielen auf.

Der reaktive Typ, ist eher geeignet, um sich ruhig an die Seite eines Menschen zu setzen und auf dessen Befindlichkeit zu reagieren.

Die tiefe Stille der Hunde tröstet uns über die nutzlosen Worte der Menschen hinweg.
-Jean Michel Chaumont

Welche Charaktereigenschaften braucht ein Hund der in der Tiergestützten Intervention arbeitet ?

Ein Therapiehund benötigt bestimmte Charaktereigenschaften, damit er sicher, stressfrei und zuverlässig mit unterschiedlichen Menschen arbeiten kann. Nicht jeder Hund eignet sich automatisch für diese Aufgabe. Wichtig sind vor allem folgende Eigenschaften:

Freundliches und offenes Wesen

Ein Therapiehund sollte grundsätzlich freundlich und menschenbezogen sein. Er sollte Interesse an Menschen zeigen und den Kontakt zu ihnen nicht meiden. Besonders wichtig ist ein ruhiger und respektvoller Umgang mit Kindern, älteren Menschen oder kranken Personen.

Ausgeglichenheit und Gelassenheit

Therapiehunde arbeiten oft in ungewohnten Umgebungen wie Schulen, Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Dort gibt es viele verschiedene Geräusche, Gerüche und Bewegungen. Ein geeigneter Therapiehund sollte deshalb ruhig bleiben können und sich nicht schnell aus der Ruhe bringen lassen.

Hohe Reizschwelle und gute Nervenstärke

Menschen können sich manchmal unkoordiniert bewegen, laut sprechen oder den Hund unabsichtlich berühren. Ein Therapiehund muss damit umgehen können, ohne ängstlich oder aggressiv zu reagieren. Er sollte eine stabile Persönlichkeit und eine gute Stressresistenz haben.

Soziale Verträglichkeit

Ein Therapiehund sollte sowohl mit Menschen als auch mit anderen Tieren gut umgehen können. Aggressives Verhalten oder starke Unsicherheiten sind für diese Arbeit ungeeignet.

Freude an der Zusammenarbeit mit dem Menschen

Der Hund arbeitet immer als Team mit seinem Menschen zusammen. Deshalb ist eine enge Bindung und die Bereitschaft zur Kooperation wichtig. Der Hund sollte gerne lernen und sich gut führen lassen.

Geduld und Ruhe

In der tiergestützten Arbeit wird der Hund häufig gestreichelt oder beobachtet. Ein Therapiehund sollte daher geduldig sein und es genießen können, ruhig neben Menschen zu liegen oder sich streicheln zu lassen.

Belastbarkeit bei gleichzeitig guter Selbstregulation

Der Hund sollte kurze Arbeitseinheiten gut bewältigen können, gleichzeitig aber auch Signale zeigen, wenn er eine Pause braucht. Ein verantwortungsvoller Einsatz bedeutet immer, auf das Wohlbefinden des Hundes zu achten.

Neben diesen Charaktereigenschaften sind auch eine gute Ausbildung, regelmäßiges Training, Gesundheitskontrollen und eine hundegerechte Haltung wichtig, damit ein Therapiehund langfristig und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.

Was kann ein Hund bewirken der in der Tiergestützten Intervention arbeitet ?

Ein Therapiehund kann auf verschiedenen Ebenen positive Wirkungen auf Menschen haben. In der tiergestützten Intervention wird diese Wirkung gezielt genutzt, um das Wohlbefinden, die Motivation und soziale Fähigkeiten zu fördern.

Emotionale Wirkung

Der Kontakt zu einem Therapiehund kann beruhigend wirken und Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Viele Menschen empfinden Freude, Trost und Nähe, wenn sie einen Hund streicheln oder Zeit mit ihm verbringen. Gerade in belastenden Situationen, bei Krankheit, Einsamkeit oder Trauer kann ein Therapiehund emotional unterstützen.

Stressreduktion und Entspannung

Studien zeigen, dass der Kontakt zu Hunden Stress reduzieren kann. Beim Streicheln eines Hundes werden im Körper unter anderem Hormone wie Oxytocin ausgeschüttet, die Entspannung und Bindung fördern können. Gleichzeitig können Stresshormone wie Cortisol sinken. Dadurch fühlen sich viele Menschen ruhiger und ausgeglichener.

Förderung von Kommunikation und sozialen Kontakten

Hunde wirken oft als sogenannte soziale Brücke. Sie erleichtern Gespräche und schaffen gemeinsame Themen. Menschen kommen über den Hund leichter miteinander ins Gespräch. Besonders bei schüchternen oder zurückhaltenden Menschen kann ein Therapiehund helfen, Hemmungen abzubauen.

Motivation und Aktivierung

Die Anwesenheit eines Hundes kann Menschen motivieren, sich zu beteiligen oder aktiv zu werden. Kinder lesen beispielsweise einem Hund vor, ältere Menschen bewegen sich eher oder nehmen an Aktivitäten teil, wenn ein Hund dabei ist.

Stärkung des Selbstwertgefühls

Der Umgang mit einem Therapiehund kann Menschen das Gefühl geben, gebraucht und akzeptiert zu werden. Viele erleben durch den Kontakt mit dem Tier positive Rückmeldungen und entwickeln mehr Selbstvertrauen.

Verbesserung der Lebensqualität

Für viele Menschen sind die Begegnungen mit einem Therapiehund besondere Momente im Alltag. Sie bringen Freude, Abwechslung und positive Emotionen und können dadurch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessern.

Damit diese positiven Wirkungen entstehen können, ist es wichtig, dass der Therapiehund gut ausgebildet ist und der Einsatz immer unter Berücksichtigung des Tierschutzes und des Wohlbefindens des Hundes erfolgt.

Die Ausbildung zu TGA, TGF, TGT, TGP

Die Ausbildung zur Tiergestützten Intervention erfolgt immer gemeinsam im Team aus Hund und Mensch. Ziel der Ausbildung ist es, den Hund so vorzubereiten, dass er Menschen in verschiedenen Einrichtungen sicher, ruhig und zuverlässig begleiten kann. Gleichzeitig lernt auch der Mensch, seinen Hund in der tiergestützten Arbeit richtig einzusetzen und die Bedürfnisse des Hundes zu erkennen.

Zu Beginn der Ausbildung steht meist eine Eignungsüberprüfung. Dabei wird geschaut, ob der Hund grundsätzlich für die Arbeit als in der Tiergestützten Intervention geeignet ist. Wichtige Kriterien sind ein freundliches Wesen, eine hohe Sozialverträglichkeit, eine gute Stressstabilität sowie Freude am Kontakt mit Menschen. Auch der Gesundheitszustand des Hundes spielt eine wichtige Rolle.

In der eigentlichen Ausbildung werden verschiedene Bereiche trainiert. Dazu gehört zunächst ein solider Grundgehorsam. Der Hund sollte grundlegende Signale wie Sitz, Platz, Bleib auf einer Ruhedecke oder ein ruhiges Gehen an lockerer Leine sicher beherrschen. Ebenso wichtig ist eine gute Impulskontrolle und die Fähigkeit, auch in ungewohnten Situationen ruhig zu bleiben.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Gewöhnung an unterschiedliche Umweltreize. Ein Ausgebildeter Hund  begegnen später vielen verschiedenen Situationen, zum Beispiel Rollstühlen, Gehhilfen, lauten Geräuschen oder vielen Menschen gleichzeitig. Der Hund lernt in der Ausbildung, diese Situationen ruhig und gelassen zu bewältigen.

Auch der Umgang mit Menschen wird gezielt trainiert. Der Hund lernt beispielsweise, ruhig gestreichelt zu werden, sich neben Menschen abzulegen oder vorsichtig Kontakt aufzunehmen. Dabei wird immer darauf geachtet, dass der Hund sich wohlfühlt und nicht überfordert wird.

Neben der Arbeit mit dem Hund erhält auch der Mensch in der Ausbildung theoretisches Wissen. Dazu gehören Themen wie Hygiene, Tierschutz, Körpersprache des Hundes, Gesetzeslage, Basis Wissen, Stresssignale, Kommunikation zwischen Mensch und Hund sowie der verantwortungsvolle Einsatz in Einrichtungen.

Am Ende der Ausbildung steht in der Regel eine Prüfung, bei dem gezeigt wird, dass Hund und Mensch sicher zusammenarbeiten können. Erst danach wird das Team für den Einsatz in der tiergestützten Intervention zugelassen.

Wichtig ist dabei immer, dass das Wohlbefinden des Hundes an erster Stelle steht. Ein Hund arbeitet nur in einem Rahmen, der für ihn körperlich und mental geeignet ist. Ausreichende Pausen, Kontakt zu Artgenossen, Spiel, Bewegung und eine artgerechte Haltung sind daher ein wichtiger Bestandteil jeder verantwortungsvollen Arbeit in der Tiergestützten Intervention. 

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